Die Pläne für den Großraumjet Airbus A380:

Der Einstieg in den brutalstmöglichen Ausbau

Die Naturzerstörung, die Zunahme von Lärm und Schadstoffen durch den Bau einer neuen Landebahn reichen den Flughafen(ausbau)betreibern nicht. Stattdessen werden permanent neue Forderungen nachgelegt. So wurde unmittelbar nach Ende der Mediation Anspruch auf 115 ha Wald (davon 88 Ha Bannwald) südlich des Flughafens außerhalb des Zauns angemeldet. Im Raumordnungsverfahren tauchte plötzlich ein drittes Terminal für mindestens 25 Mio. Passagiere, das auf dem ehemaligen Air-Base-Gelände entstehen soll.

Mittlerweile wurden Teile der 115 ha nach Europa-Richtlinien als Vogelschutzgebiet sichergestellt. Doch kaum war das Raumordnungsverfahren beendet, zauberte Fraport für das Areal, das nicht im Vogelschutzgebiet liegt, neue Pläne aus der Schublade. Konkret geht es um den Ausbau von Infrastruktur (Bau einer Wartungshalle, Verbreiterung der Start- und Landebahnen, Bau von Rollwegen, Bau von Nebengebäuden) für den Airbus A380. Deshalb sollen 20 ha (Bann)Wald fallen. Durch diese Maßnahmen würde die Verlegung der Okrifteler Straße "nötig". Die Folge: eine Zerschneidung des Waldes, bei der wesentlich mehr als 20 ha Bannwald zerstört würden. Fraport hat die Öffentlichkeit und die Bürger über ihre wahren Planungsabsichten im Raumordnungsverfahren getäuscht, da dort dieser spezielle Planungsfall und die möglichen Auswirkungen auf Grundwasser, Natur und Umwelt nicht behandelt wurden.

Fraport versteigt sich zu der Aussage, für die Bevölkerung werde es keine zusätzlichen Belastungen durch den Bau der Wartungshalle geben. Das ist wie so oft eine glatte Lüge. Natürlich stellt es eine Belastung dar, wenn 20 Hektar (Bann)Wald abgeholzt werden sollen. Dieser Wald wird als Luftfilter, Sauerstoffproduzent und Naherholungsgebiet für die Bevölkerung und für den Walldorfer Norden als Schutz gegen den Bodenlärm benötigt.

Der Airbus A-380 soll das größte Passagierflugzeug der Welt sein, wenn denn mal ein Exemplar davon produziert ist. Zur Zeit wird gegen die Planfeststellung zur Erweiterung des Werksgeländes in Hamburg geklagt. Dort sollen Teile des Airbus produziert werden. Dafür wird das einzigartige Süßwasserwatt "Mühlenberger Loch" teilweise zugeschüttet und damit zerstört.

Die Lufthansa behauptet, es handele sich beim A380 um ein leises Flugzeug. Leise Flugzeuge aber gibt es nicht, sondern nur laute und weniger laute! Laut Fraport verursache der A380 im Vergleich zur Boeing 747-400 weniger Lärm und Schadstoffe. Der Vergleich sagt nichts über die Belastung aus. Es ist zu befürchten, dass das Steigverhalten des A380, Triebwerksprobeläufe und die Fahrt zur Wartungshalle zu mehr Lärm führen wird.

Durch das Großraumflugzeug A380 wird kein Flugzeug weniger fliegen, sondern die vorhandenen Slots werden besser ausgenutzt. Durch die neue ICE-Strecke Frankfurt-Köln hat sich das Einzugsgebiet des Flughafens vergrößert. Die Zahl der Passagiere wird dadurch weiter wachsen. Durch Zubringerflüge und vermehrten PKW-Verkehr werden weitere Passagiere für den Airbus kommen. Die Fraport versucht dagegen, den Ausbau Süd lediglich als Bau einer neuen Halle, die nichts mit einer Kapazitätserweiterung zu tun habe, zu verharmlosen. Auffällig ist der Versuch, das Projekt als isolierte Maßnahme darzustellen. So vermeidet der Flughafenbetreiber jede Äußerung zu einem Zusammenhang mit dem Terminal 3, das auch im Süden des Flughafens geplant ist. Wir dürfen gespannt sein, welche Überraschungen sich in dieser Hinsicht noch bieten werden! Fest steht aber schon heute, dass, sollten Hessische Landesregierung, Fraport und Lufthansa ihre Pläne durchsetzen können, zwei voneinander unabhängig operierende Frankfurter Flughäfen die schaurige Zukunft sein könnten (jeweils 2 Start- und Landebahnen mit Terminals an passender Stelle im Norden und Süden des Flughafens) !!!

Der Flughafen wurde nie als Gesamtanlage planfestgestellt. Die letzte Planfeststellung datiert aus dem Jahr 1971 und hatte die Startbahn 18 West zum Gegenstand. Seitdem sind die Flugbewegungen immer weiter gestiegen und der Flughafen ist in seiner Fläche gewachsen. Die Festschreibung dieses unzumutbaren Ist-Zustandes könnte durch das Planfeststellungsverfahren zu den 20 ha erfolgen.

Fraport hat in einem Brief im Juni diesen Jahres lediglich zwei Kommunen und den Kreis Groß-Gerau über ihr Vorhaben informiert. Der Flughafenbetreiber hofft darin auf Unterstützung und wähnt sich gar im Konsens mit der Region. Angeblich würden nur wenige Kommunen direkt von dem Bau der Wartungshalle tangiert. Dadurch soll der Kreis der potentiellen Kläger auf Seiten der Kommunen möglichst klein gehalten werden. Da aber der Flugverkehr jetzt schon unerträgliche Ausmaße angenommen hat und noch weiter steigen soll, ist jede Kommune im Rhein-Main-Gebiet betroffen, wenn der Flughafen bauliche Veränderungen zur Kapazitätssteigerung vornimmt. Unter diesem Aspekt gehen Überlegungen, die Fraport solle die Halle innerhalb des Zaunes bauen, völlig am Grundproblem des wachsenden Flugverkehrs vorbei. Die Vergangenheit hat außerdem gezeigt, dass alle Versuche des Entgegenkommens (Parallelbahnverlängerung, Cargo-City innerhalb des Zauns) darin endeten, dass Fraport die Zugeständnisse dankend angenommen und trotzdem ungeniert einen brutalstmöglichen Wachstumskurs verfolgt hat.

Das Beispiel Mühlenberger Loch zeigt, dass auch die Ausweisung eines Vogelschutzgebietes nach FFH-Richtlinie keinen Schutz gegen Profitinteressen darstellt. Von daher ist davon auszugehen, dass die gesamten 115 ha Wald der ursprünglichen Planung immer noch gefährdet sind. An den ersten 20 ha soll vorexerziert werden, wie sich der Status "Bannwald" aufheben lässt.

Die 20 Hektar Wald dienen Fraport und hessischer Landesregierung als Testfall, wie stark der Widerstand und die Solidarität in der Region gegen jede Art von Flughafenausbau ist. Wenn sich gegen das Ausbauprogramm Süd nichts regt, wird die Nordwest-Bahn um so leichter durchsetzbar sein.

Das Ganze ist ein Flughafen und ein Ausbauprogramm. Wir stellen die Solidarität einer sozial-ökologischen Bewegung dagegen, die sich entschieden gegen den jeglichen Flughafenausbau zur Wehr setzt. Wir fordern die Bürgerinnen und Bürger dazu auf, massenhaft Einwendungen im bevorstehenden Planfeststellungsverfahren zum Ausbau Süd zu schreiben. Neben dem juristischen Weg werden die Bürgerinitiativen in Zukunft zu Aktionen in dem bedrohten Wald aufrufen. Je weniger "Konsens" und je mehr Unruhe, desto schwieriger wird es für Fraport, den Ausbau durch die Hintertür durchzusetzen und desto besser stehen unsere Chancen in der Auseinandersetzung um die Verhinderung der geplanten Nord-West-Bahn!

aktualisiert am: 28.11.2014
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